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Süßholz für Süßherzen

Das Süßherz der Saison, August 2008:
Brigitte Zeh

Brigitte Zeh

"Entschuldigung, sind Sie Schauspielerin?" Diese Frage wird Brigitte Zeh häufig gestellt und kennzeichnet die Schwelle an der die 33-jährige Mimin steht. Sie wird erkannt, kein Wunder, schließlich hat sie in vielen Kino-Produktionen mitgewirkt, darunter in "Keinohrhasen" sowie in "Das Fremde in mir" und "3 Grad kälter". Hinzu kommen unzählige Auftritte in TV-Serien wie "Broti und Pacek", "Großstadtrevier", "Tatort", "SOKO Leipzig", um nur einige zu nennen.

Wellen der Begeisterung löste die in Ruit Geborene schon früh aus. Im Rahmen einer musikalischen Früherziehung für Kinder wurde ihr Talent von der bulgarischen Pianistin Wanja Hauser erkannt. Sie sorgte dafür, dass Brigitte zum Ballett kam und dort in die Begabten-Klasse eingestuft wurde. Das bedeutete vier- bis fünfmal Training in der Woche. Die Plackerei an der Stange blieb nicht ohne Folgen. Bald schon standen die ersten Auftritte im "Großen Haus" in Stuttgart und an der John-Cranko-Schule an. Das Odeur der Bühnenluft bekam sie nicht mehr aus der Nase. Auch als eine halbjährige Pause nach Blinddarm-Operation ihre Tanzkarriere beendete, blieb der Wunsch bestehen, weiterhin Bühnenboden zu betreten. In Jugendspielclubs an der WLB Esslingen und in Stuttgart sowie in Peter Makals Pantomimen-Theater verdiente sie sich ihre ersten Sporen, bei Makal obendrein noch 10 Mark pro Auftritt. Große Kunst für kleines Geld, dieses Schicksal teilte sie wohl mit vielen.

Nach dem Abitur ging es an die Schauspielschule nach Berlin. Die Großstadt war der einzige Weg, um der Idylle der wohl behüteten Kindheit, den Apfelbäumchen im Garten, dem Dornröschen-Dasein in der Provinz zu entkommen. "Wie soll ich eine Geschichte erzählen können, wenn ein Wattebausch um mich herumliegt", sagt Brigitte Zeh. "Berlin war der beste Nährboden, um die unter der Oberfläche brodelnden Geschichten, die kleinen und auch großen Dramen hervorbrechen zu lassen." Das gelang ihr offensichtlich sehr überzeugend. Bei einer Performance Art Aufführung im Rahmen ihrer Ausbildung war ein Agent von ihr so angetan, dass er sie sofort in seine Kartei aufnahm.

Theater, TV und Kino – ihre Heimat hat die attraktive Mimin noch nicht ganz gefunden. Ein Wunsch von ihr wäre es, einen festen TV-Charakter spielen zu dürfen. Eine Persönlichkeit, die ein wenig schrullig daherkommt, die viel erzählt und die auch Einfluss auf das Drehbuch nehmen kann. Ein Drehbuch, bei dem die Figuren gut herausgearbeitet sind und bei dem die Interaktionen zwischen den Handelnden Tiefe besitzen. Dicht und kompakt sollte das Skript sein und dem Schauspieler die größtmögliche darstellerische Freiheit bieten.

Von den klassischen Rollen würde sie am liebsten die Medea noch einmal spielen und gäbe es ein Remake von "La Notte" des Regisseurs Antonioni, dann wäre sie es, die gern die Rolle der Jeanne Moreau übernehmen würde. "Die Grandezza, das Kleid, die Schuhe. Das ist Film", schwärmt Brigitte Zeh. Eine Alternative zur Arbeit als Schauspielerin hätte sie auch parat. Wenn sie es sich finanziell erlauben könnte, würde sie eine kleine blaue Kneipe an einem Ort der Atlantikküste führen. Zusammen mit Töchterchen Alva und ihrem Partner Henrik.

Bis es so weit ist, wird sie ihren Ruhm als Schauspielerin mehren. Bald wird sie regelmäßig in den Tatort-Folgen aus Ludwigshafen zu sehen sein. Hier unterstützt sie Lena Odenthal und Assistent Kopper in ihren Ermittlungen. Spätestens dann werden die Passanten, die sie in Esslingen in einem Straßen-Café sitzen sehen, keine Fragen mehr stellen, sondern ihre Verzückung mit "Da vorne sitzt Brigitte Zeh" zum Ausdruck bringen.

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Olaf Nägele, 2008