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Süßholz für Süßherzen

Das Süßherz der Saison, März 2013:
Jürgen von Bülow

Jürgen von Bülow

Dieser Mann trägt einen großen Namen und ist wie der berühmte „entfernte Verwandte“, Victor von Bülow alias Loriot, Regisseur und Autor in Personalunion. Gut, am Bekanntheitsgrad ließe sich noch ein wenig feilen, aber auch in dieser Hinsicht ist der sympathische Stuttgarter auf einem guten Weg. Fünf Jugendbücher sind bereits von ihm erschienen, das nächste große Werk ist in Arbeit. Und nebenbei inszeniert er Theaterstücke und arbeitet als Dozent in Ludwigsburg und Esslingen. Höchste Zeit also, diesen Jürgen von Bülow mal vorzustellen. Vorhang auf für das neue Süßherz der Saison.

Was war zuerst da? Die Liebe zum Theater oder die Freude am Schreiben? Und wo kam die Begeisterung her?

Nun, am Anfang war das Träumen, entstanden auf der Fensterbank meines Zimmers, im zarten Kindesalter, einige Kilo leichter, jedoch voller Tagträume! Am liebsten schaute ich stundenlang über das Stuttgarter Lehenviertel und sponn Geschichte über Geschichte. Deshalb ziehen mich noch heute Türme, Hochhäuser und Berge magisch an – sofern man sie einigermaßen bequem besteigen kann.

Du warst als Drehbuchautor für bekannte Serien wie Marienhof, GZSZ, Tigerentenclub, für Felix Huby und Roland Emmerich tätig: Wann und warum kam die Abkehr von dem Film-Sujet und was hat dich bewogen, Jugendbücher zu schreiben?

Ein Drehbuch zu schreiben ist grandios – wenn es denn verfilmt wird. Doch der Prozess, dieses Drehbuch zu entwickeln, ist oft nerv zehrend: Immer begleitet einen der sorgenvolle Blick des Redakteurs, was dazu führt, dass jede Geschichte wieder und wieder und wieder überarbeitet wird. (Es soll Fernseh-Redakteure geben, die verlangen von ihren Autoren, dass der grüne Volvo des Helden doch besser ein blauer Saab sein soll und der Name der Hauptdarstellerin, vom Autor monatelang verinnerlicht, lieber den Vornamen der Lieblingstante des Redakteurs bekommt...) Andererseits habe ich, in den acht Jahren als Autor beim Tigerenten Club, viel von den Fernseh-Redakteuren gelernt und mir wurde klar, wie schnell man sich in seine eigenen Ideen verliebt, nur um nicht an ihnen zu zweifeln und sie womöglich überarbeiten zu müssen. Heute, da ich Romane schreibe, bin ich froh, mein eigener Herr zu sein und kann für alles, was grandios ist, aber auch für alles, was grauslich ist, höchstpersönlich verantwortlich gemacht werden.

Flossen bei den Nika-Romanen deine TV-Erfahrungen ein?

Die fünf Bücher über die 16-jährige Nika, die ein gefeierter Popstar wird, entstanden aus meinen langen Erfahrungen in der Medienwelt. Ich sage jetzt einmal etwas, von dem ich hoffe, dass nur die Mütter und die Schulpädagogen, nicht aber die Jugendlichen es lesen: Mit meinen Büchern um den Popstar Nika will ich eher von einer Karriere bei DSDS abraten und zeigen, wie einsam das Leben einer berühmten Sängerin tatsächlich ist. Gleichzeitig wollte ich einen spannenden Einblick in die Musik- und Fernsehwelt geben – die Jugendlichen sollen lieber etwas über Castingshows lesen, als zu ihnen zu gehen und unter ihnen zu leiden.

An welchen Projekten arbeitest du derzeit? Buchprojekte, Theaterprojekte? Reicht das aus zum Leben?

Ich bin und bleibe ein hoffnungsloser Träumer, denn auch ich träume davon, eines Tages ausschließlich vom Roman-Schreiben leben zu können. Momentan arbeite ich an einer Abenteuer-/Fantasy-Story, was ganz wunderbar ist, denn man träumt sich immer nach draußen, in eine Natur voller faszinierender Überraschungen – und genießt all dies in einem superstillen Zimmer, einem kaum hörbar schnurrenden Notebook, einen perfekt temperierten Kaffee, wollig warmen Füßen, einer sauber geputzten Brille, einem freundlichen Kühlschrank...

Wird es irgendwann eine Rückkehr zum Film geben? Oder besser: Wenn es keine finanziellen Zwänge gäbe, wohin sollte die Reise dann gehen?

Eigentlich ist es ein Glück, dass ich mich nicht komplett in meinen Elfenbeinturm vergraben kann, sondern "nebenher" als Dozent für Filmdramaturgie arbeite (das kann ich richtig gut!) und in kleineren Theaterproduktionen Regie führe. Mein Leben ist alles andere als langweilig und irgendwo müssen die Ideen ja herkommen. Trotzdem, der Traum bleibt: Nicht Film, nicht Regieführen, sondern Bücher schreiben, spannende, gefühlvolle, mitreißende Bücher will ich schreiben, selbst wenn der Kaffee dabei kalt wird und im Kühlschrank mal wieder gähnende...

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Olaf Nägele, 2011